Junge Fahrer: Ein Tag, der nachdenklich macht
Wenn 70 Meter über Leben und Tod entscheiden
Aktionstag »Junge Fahrer« an der Gewerblich-Technischen Schule Offenburg
Von Michael Haß
Offenburg. Das Handy vibriert. Eine kurze Nachricht, schnell getippt: »Ich bin unterwegs.« Was harmlos erscheint, kann tödliche Folgen haben. Beim Präventionstag »Junge Fahrer« an der Gewerblich-Technischen Schule Offenburg wurde den Schülern eindrucksvoll vor Augen geführt, welche Gefahren schon wenige Sekunden Ablenkung im Straßenverkehr bergen.
Bereits zum elften Mal veranstaltete die größte Gewerbeschule Badens gemeinsam mit Polizei, Deutschem Roten Kreuz, Feuerwehr Offenburg, Fachstelle Sucht, AOK und Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) den Aktionstag. Organisiert wurde er von Lehrerin Sandra Cleiss.
Die kommissarische Schulleiterin Michaela Rieger-Motzer begrüßte die Jugendlichen und die Einsatzkräfte. Sie dankte allen Beteiligten für ihr Engagement und äußerte die Hoffnung, dass der Präventionstag das Bewusstsein der jungen Fahrerinnen und Fahrer nachhaltig stärkt und sie zu mehr Verantwortung im Straßenverkehr bewegt.
Warum diese Aufklärungsarbeit notwendig ist, machten die Zahlen der Polizei deutlich: Obwohl die 18- bis 24-Jährigen lediglich 7,6 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind sie an 23,6 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle beteiligt. Im vergangenen Jahr starben in Baden-Württemberg 343 Menschen bei Verkehrsunfällen.
Die Polizeibeamtinnen Kathrin Muratovic und Sandra Müller erläuterten die häufigsten Unfallursachen. Rund 45 Prozent der schweren Unfälle dieser Altersgruppe stehen im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen, 16 Prozent entstehen durch Vorfahrtsverletzungen und 11 Prozent durch Ablenkung – häufig verursacht durch das Smartphone.
Besonders eindrucksvoll war ein Selbstversuch: Die Jugendlichen sollten den Satz »Ich bin unterwegs« in ihr Handy schreiben. Anschließend erfuhren sie, welche Strecke ein Fahrzeug innerhalb weniger Sekunden zurücklegt – bei 30 km/h rund 40 Meter, bei 50 km/h bereits 70 Meter und bei 100 km/h sogar 140 Meter. Die Botschaft war eindeutig: »Schon eine kurze Unaufmerksamkeit kann schwerwiegende Folgen haben«, verdeutlichte Kathrin Muratovic.
Ebenso anschaulich erklärten die Polizeibeamtinnen den Anhalteweg bei Tempo 50. Allein der Reaktionsweg beträgt 13,88 Meter, der Bremsweg 12,86 Meter. Insgesamt kommt ein Fahrzeug erst nach 26,7 Metern zum Stehen.
Dass Aufmerksamkeit auch im Berufsleben wichtig ist, zeigte die BGHW. Rund 25 Prozent aller Arbeitsunfälle entstehen durch Stolpern, Rutschen oder Stürzen. An einem Teststand konnten Schüler selbst ausprobieren, wie unterschiedlich rutschhemmend verschiedene Schuhe sind.
Für den emotionalsten Moment sorgte die Feuerwehr. Pressesprecher Wolfgang Schreiber demonstrierte gemeinsam mit seinen Kollegen an einem Unfallfahrzeug, das Abschleppunternehmer Marco Dürr zur Verfügung gestellt hatte, wie eingeklemmte Menschen mit hydraulischem Rettungsgerät befreit werden. Die aufwendige Rettung machte deutlich, welche Folgen ein schwerer Verkehrsunfall für Betroffene und Einsatzkräfte haben kann.
Die Wirkung des Präventionstages war spürbar. Waren manche Schüler zu Beginn noch recht selbstsicher, verließen viele die Veranstaltung nachdenklich. Genau das ist für die kommissarische Schulleiterin Michaela Rieger-Motzer das Ziel des Infotages: »Junge Menschen für die Risiken im Straßenverkehr zu sensibilisieren – damit aus einer kurzen Ablenkung kein lebensverändernder Schicksalsschlag wird.«