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Der Religionsunterrichtes in der beruflichen Bildung
An einem Unfallopfer, das wir nachts auf der Autobahn sehen, dürfen
wir nicht achtlos vorbeifahren, ohne zu helfen oder Hilfe zu rufen. Das wissen
wir. Doch es ist nicht Paragraph 323c Strafgesetzbuch („Unterlassene
Hilfeleistung“), der dies in unseren Herzen und Köpfen verankert
hat. Prägende Wirkung entfaltete in unserem Kulturraum vielmehr Jesu
Geschichte vom barmherzigen Samariter, sein Gleichnis zum Thema Nächstenliebe.
Seine Botschaft – es ist etwas Schlechtes, mögliche Hilfe zu unterlassen – wurde
zum Allgemeingut. Auch andere zentrale Normen – „Du sollst nicht
töten“; „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab
und Gut“ – sind uns eher in der klaren Sprache der biblischen
Gebote vertraut als im Wortlaut entsprechender Gesetze. Unsere Zivilisation
lässt sich eben nicht verstehen (und auch nicht erhalten) ohne eine gewisse
Kenntnis jener biblischen Tradition, die sie so nachhaltig prägte. Weil
unser Gemeinwesen seine geistigen Wurzeln pflegen muss, ist es in seinem Interesse – und
nicht nur im Interesse der Kirche – , dass Schülerinnen und Schüler
diese biblische Tradition kennen lernen.
So ist es keine Frage: Der Religionsunterricht gehört zum Erziehungs-
und Bildungsauftrag der Schule. Im einzelnen verfolgt dieses Unterrichtsfach
folgende Ziele:
- Der Religionsunterricht leistet einen Beitrag zu einer menschlichen und
sozialen Gesellschaft. Toleranz, Versöhnung, Nächstenliebe, Friede, Gerechtigkeit
und Bewahrung der Schöpfung sind die Stichworte. Solche Werte verstehen
sich nicht von selbst. Werte sind das Ergebnis einer Werteerziehung.
Eine funktionierende Gesellschaft kann auf Werteerziehung nicht verzichten.
Werteerziehung ist eine der wichtigsten Aufgaben des Religionsunterrichts.
- Der Religionsunterricht regt an zur sozialen Mitarbeit in der Gesellschaft.
- Im Religionsunterricht werden Fragen und Probleme des Einzelnen wie der
Gesellschaft besprochen. Indem Probleme nicht verharmlost oder übergangen
werden, leistet der Religionsunterricht einen Beitrag zur Identitätsentwicklung
junger Menschen.
- Religion gab es zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Der Religionsunterricht
erinnert uns daran, dass Leben mehr ist als lernen, arbeiten, Geld verdienen
und sich vergnügen. Wir fragen auch danach, wozu wir überhaupt auf
dieser Welt sind, woher wir kommen, wohin wir gehen und wie wir in Frieden
miteinander leben können. Der Religionsunterricht vermittelt daher
auch Wissen zum Umgang mit Konflikten.
- Leben heißt umgehen können mit Verlust und Enttäuschungen.
Seit jeher haben Menschen danach gefragt, warum und wozu es Leidvolles und
Böses gibt. Wie können wir umgehen mit Niederlagen, Krankheit, Sterben
und Tod? Alle Religionen sind Antwortversuche auf diese Fragen. Insofern geht
es im Religionsunterricht um Glaubens- und Lebenshilfe. Die Schülerinnen
und Schüler sollen zu einer eigenen, begründeten religiösen
und weltanschaulichen Identität finden. Der Religionsunterricht bietet
die Chance, sich auch mit sich selbst, eigenen Fragen und Problemen auseinanderzusetzen.
- Der Religionsunterricht hat die Aufgabe, mit den fundamentalen geistig-religiösen
Grundlagen des Abendlandes vertraut zu machen. Die Kenntnis des Christentums
wie auch der anderen großen Religionen ist unerlässlich für
einen gebildeten Menschen. Wie will man europäische Geschichte verstehen,
wenn man keine Ahnung von Judentum, Christentum oder Islam hat? Wie will man
in dieser immer kleiner werdenden Welt Zugang finden zu den Bewohnern Asiens,
wenn man nichts weiß von Hinduismus oder Buddhismus. Religionsunterricht
ist so ein Beitrag zum Verständnis zwischen Menschen verschiedener
Kulturen.
- Schließlich fördert der Religionsunterricht vor dem Hintergrund
der christlichen Tradition eine kritische Reflexion gegenüber ungerechtfertigter
Anmaßung von Macht und Einfluss im Blick auf totalitäre oder
auch wissenschaftliche Entwicklungen, die absoluten Vorrang beanspruchen.
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